Trainer, Menschenfänger, Entertainer – DW – 29.01.2024


Es war die vorläufige Krönung seiner Karriere. Jürgen Klopp feierte Anfang Juni 2019 mit Hunderttausenden von Fans des FC Liverpool auf den Straßen der Stadt den Gewinn der Champions League. Den sechsten Pokal dieser Art hatten die “Reds” mit dem “Manager” Klopp geholt. Damit war er unweigerlich in die große Geschichte des Klubs eingetreten.

Ein Jahr später bescherte der deutsche Trainer dem FC Liverpool auch noch die 19. englische Meisterschaft – die erste nach einer Durststrecke von 30 Jahren. Diesmal musste die große Parade jedoch wegen der Corona-Pandemie ausfallen. 

Klopp, der Trainer, der Menschenfänger, der Entertainer. Selten vereinte ein Einzelner so viele Attribute miteinander, um seinen Beruf auszuüben. Kein Wunder also, dass sie den 56-Jährigen in der Arbeiterstadt im Nordwesten Englands aufgenommen haben, als wäre er schon immer einer von ihnen gewesen.

Der erste Titel mit dem FC Liverpool ist gleich die Champions LeagueBild: Actionplus/picture alliance

Ähnlich war es Klopp auch schon zuvor in der Fußball-Bundesliga bei Borussia Dortmund ergangen. Und auch beim FSV Mainz 05, wo er einst seine große Karriere auf niedrigem Niveau begonnen hatte.

Erster Aufstieg mit Mainz

Als Spieler bei den Mainzern galt Klopp nicht gerade als Ballzauberer. Eigentlich Stürmer, wurde er bei dem damaligen Zweitligisten zum Verteidiger umgeschult und stand dabei eher für einen rustikalen Stil. Die Fans mochten vor allem seine ehrliche Art, Fußball zu spielen. Dass er damals schon eine besondere Aura hatte, war nur schwer zu übersehen. Als einziger Spieler der Mainzer hatte er einen eigenen Fan-Klub, die “Kloppos”. 

Nahtlos wechselte Klopp im Jahr 2001 dann vom Spielfeld auf die Trainerbank. Nachdem Mainz zweimal knapp daran gescheitert war, gelang dem Team unter Klopp 2004 im dritten Anlauf der erste Aufstieg in die Bundesliga. Nach dem Abstieg 2007 und dem knapp verpassten Wiederaufstieg im Jahr darauf verabschiedete sich Klopp aus Mainz: nach 18 Jahren als Spieler und Trainer. 

Mainzer Fans mit Schals und Plakaten auf dem Markplatz von Mainz bei der Abschiedsfeier für Jürgen Klopp 2008
Als Klopp geht, ist der Mainzer Marktplatz voll: Rund 30.000 Fans verabschieden “Kloppo” 2008 nach DortmundBild: Boris Roessler/dpa/picture-alliance

“Alles, was ich bin, alles was ich kann, habt ihr mich werden lassen. Das ist die Wahrheit”, rief er damals unter Tränen den 30.000 Menschen zu, die sich auf dem Mainzer Marktplatz versammelt hatten, um die Mannschaft zu feiern und Klopp zu verabschieden. 

Klopp wechselte aus Mainz nach Dortmund zum BVB. Mit diesem Wechsel endete auch seine Tätigkeit als Fernsehexperte beim ZDF. Dort hatte er sich von 2005 an drei Jahre lang beim Publikum mit seiner offenen Art und seinem schallenden Gelächter einen Namen gemacht.

Ungewöhnliche Maßnahmen

Beim BVB wussten sie im Sommer 2008 allerdings nicht so recht, worauf sie sich mit ihm einließen. Es gab durchaus Zweifel an dem gebürtigen Stuttgarter, der auch gerne mal aneckte und sich nicht reinreden ließ. Dortmund war nach der Fast-Pleite drei Jahre zuvor immer noch dabei, die Finanzen zu sanieren, sportlich lief es ebenfalls nicht rund.

Klopp versprach, dem Verein “wieder in die Spur” zu helfen und “Vollgas-Fußball” spielen zu lassen. Seine Devise lautete: Keine Stars kaufen, sondern sie machen. Und er hielt Wort. So stellte der Coach die beiden damals erst 19 Jahre alten Mats Hummels und Neven Subotic ins Abwehrzentrum – was sich als äußerst erfolgreich erweisen sollte.

Erfolg mit dem BVB

Der Weg des BVB unter Klopp führte nach oben. 2011 holten die Dortmunder die Meisterschale – und feierten hinterher so kräftig, dass der Trainer am Tag danach bei der Party mit den Fans auf dem Borsigplatz seine Augen hinter einer Sonnenbrille verbergen musste. 2012 schaffte der BVB sogar das Double aus Meisterschaft und DFB-Pokalsieg.  

Jürgen Klopp 2012 mit Meisterschale
“Kloppo” der Meistertrainer – Jürgen Klopp feierte 2012 mit dem BVB die zweite Meisterschaft in FolgeBild: Marius Becker/dpa/picture alliance

Doch selbst Klopp gelang nicht alles. 2013 hatte er die Chance, seinen ersten internationalen Titel zu holen und dann gleich in der Champions League – im Finale im Wembleystadion in London gegen den deutschen Rivalen FC Bayern. Der BVB verlor unglücklich mit 1:2.

Mitte 2014 wurde der BVB zum zweiten Mal in Serie Vizemeister, danach begann eine Krise. Nach 18 Spieltagen stand Dortmund auf dem letzten Tabellenplatz. Klopp wirkte erschöpft. Immerhin führte er das Team in jener Saison noch als Siebter in die Europa League und ins DFB-Pokalfinale, das der BVB gegen Wolfsburg mit 1:3 verlor. Zu diesem Zeitpunkt hatte Klopp bereits seinen Abschied aus Dortmund verkündet.

The Normal One

Klopp wollte eigentlich ein “Sabbatjahr” einlegen, es dauerte jedoch nur fünf Monate. Im Oktober 2015 wurde er als neuer Teammanager des FC Liverpool vorgestellt. Angesprochen auf den Ausspruch “I’m the Special One” des portugiesischen Star-Trainers Jose Mourinho, antwortete Klopp: “Ich war ein durchschnittlicher Spieler, und in Mainz habe ich als durchschnittlicher Trainer angefangen. Man könnte sagen: I’m the Normal One.”

In Liverpool verlor er jedoch zunächst alle entscheidende Spiele: das League-Cup-Finale 2016 gegen Manchester City, das Endspiel der Europa League im gleichen Jahr gegen den FC Sevilla. Auch das Champions-League-Finale 2018 gegen Real Madrid konnten Klopp und der LFC nicht gewinnen. Zudem zog man 2018 nach einer furiosen Premier-League-Saison knapp den Kürzeren im um den Meistertitel gegen Manchester City.

2019 aber erklomm Klopp mit dem Champions-League-Titel den Trainer-Olymp. Klopp widmete seinen bis dahin größten Erfolg seiner Ehefrau Ulla, mit der er seit 2005 in zweiter Ehe verheiratet ist. “Meine Familie ist immer mit der Silbermedaille in Urlaub gefahren”, sagte der 51-Jährige nach dem Finale in Madrid. “Diesmal ist es anders, diesmal ist es Gold, das werden wir genießen.”

Liverpool-Fans zeigen ein Banner mit der Aufschrift "Trust in Klopp".
Liverpool-Fans glauben an Jürgen KloppBild: picture-alliance/dpa/P. Seeger

2019 gewann Liverpool auch die Klub-WM, und Klopp wurde zum FIFA-Welttrainer des Jahres gewählt. Ebenso im folgenden Jahr nach dem Titelgewinn in der Premier League. Einziges Manko der ersehnten Meisterschaft nach 30 Jahren: Wegen des Corona-Virus’ fanden die Spiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. 

“Ich könnte gar nicht glücklicher sein”, sagte Klopp damals dennoch beim TV-Interview mit Sky. “Das bedeutet mir die Welt. Natürlich wäre es mit Fans besser gewesen, aber man kann das eben nicht ändern. Es ist und bleibt ein großartiger Moment. Wir sind die Champions von England, wir haben die Champions League und die Klub-WM gewonnen. Das ist unglaublich. Wenn dieser Bullshit-Virus endlich weg ist, dann feiern wir alle gemeinsam.”

Erneute Meisterschaft zum Abschied?

In der Saison 2021/2022 schrappte Klopp knapp an seinem zweiten Champions-League-Triumph vorbei: Im Finale unterlagen die “Reds” gegen Real Madrid mit 0:1. Als Trost blieb das englische “Pokal-Double” mit dem Gewinn von FA-Cup und Liga-Cup. Danach riss die Erfolgsserie vorübergehend. 2023 verpasste Liverpool sogar die Qualifikation für die Champions League.

Als Jürgen Klopp in der vergangenen Woche verkündete, dass seine Zeit bei dem englischen Traditionsverein im Sommer 2024 enden werde, hatte er auf die Erfolgsspur zurückgefunden: Sein Team ist Tabellenführer der Premier League, steht im Finale des Liga-Cups und ist auch noch im FA-Cup sowie der Europa League im Rennen. Klopp könnte sich also gleich mit mehreren weiteren Titeln von der Anfield Road verabschieden. 

Der Artikel wurde am 29. Januar 2024 aktualisiert. 



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